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Grötzinger Rathaus aktuell.
Grötzingen.
Zur Geschichte Grötzingens
Der Ort Grötzingen muß viel älter sein als seine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 991; der Name "Grezzingen" taucht erstmals im Lagerbuch des Klosters Weißenburg auf. Dieses belegt auch eine Sozialstruktur, die Grundherren, zweierlei Hörige und Knechte und Mägde umfaßte. Das leben der folgenden Jahrhunderte prägte die Dreifelderwirtschaft und die Abhängigkeit von einem Landesherren, dem gegenüber man zins- und fronpflichtig war. Die Dorfherren wechselten jedoch: um 1100 waren es die die Herren von Hohenberg, die auf dem Turmberg saßen, dazu kamen die Kloster Gottesaue, Herrenalb und Lichtental und später die Grafen von Grötzingen, die im 13. Jahrhundert von den badischen Markgrafen abgelöst wurden. Das bäuerliche Leben charakterisierte die Dreifelderwirtschaft, Viehhaltung und der Weinanbau.
Es gibt keine Belege dafür, daß die Grötzinger sich am Bauernkrieg des 16. Jahrhunderts beteiligten, dennoch ist zu vermuten, dass sie in die Aufstände des Bundschuhs hineingezogen wurden. 1556 wechselte Grötzingen auf Befehl des Landesherrn Markgraf Karl II. von Baden-Durlach zum protestantischen Glauben über. Die mit der Reformation verbundenen Änderungen der Herrschaftsstruktur verlangte von den Dorfbewohnern eine Neuorganisation ihres Zusammenlebens: eine gewisse Eigenständigkeit ermöglichte den Aufbau einer Dorfverwaltung. Um 1600 war Grötzingen ein wohlhabendes Dorf, dessen Felder und Rebberge reiche Ernte brauchten und dessen Höfe und Gebäude von einem geordneten Gemeinwesen berichteten. All dies wurde im 17. Jahrhundert zerstört, der Dreißigjährige Krieg, die Pest und weitere Kriege brachten Grötzingen und seinen Bewohnern Elend und Armut.
Nach der Wende zum 18. Jahrhundert beherbergte die Augustenburg einige Jahrzenhnte lang einen fürstlichen Haushalt, nach dem Tod der Markgräfin Augusta Maria im Jahr 1728 verlor sie ihre Bedeutung als fürstliche Wohnung. Das Verschwinden des Hofes läutete den langsamen wirtschaftlichen und kulturellen Abstieg Grötzingens im 18. Jahrhundert ein. Im Spanischen, im Polnischen und im Österreichischen Erbfolgekrieg wurde der Südwesten Deutschland jedesmal zum Durchmarschgebiet und das Pfinztal zur Heerstraße. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts machte die Gemeinde einen mühsamen Neuanfang.
Die markgräfliche Wirtschaftsförderung bestand aus der Förderung von Gewerbe und den ersten Anfängen der Industrie und der Verbesserung der Landwirtschaft. 1778 wurde eine Krappfabrik in Grötzingen angesiedelt, in der Viehhaltung wurde die Stallfütterung mühsam durchgesetzt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führte man die Fruchtwechselwirtschaft ein, die die bislang als Weideland genutzte Brache zugunsten der Bebauung mit Klee, Kartoffeln, Dickrüben, Zuckerrüben, Krapp, Raps, Mohn und Tabak abschaffte. Zur Förderung der Wirtschaft gehörte auch die Durchführung von Vieh- und Krämermärkten.
Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg war in Grötzingen eine jüdische Gemeinde entstanden, 1797 lebten dort 23 Erwachsene, 27 Kinder und neun Dienstboten jüdischen Glaubens, 1798 wurde die sehr einfache Synagoge fertiggestellt.
Das 19. Jahrhundert brachte die endgültige Auflösung traditioneller Strukturen, die Emanzipation der Bauern und auch der Juden. 1783 war in Baden die Leibeigenschaft abgeschafft worden, die Kriege gegen das revolutionäre und napoleonische Frankreich brachten neben allem Elend auch einen großen Modernisierungsschub nach Baden. Der moderne Verwaltungsstaat wurde geschaffen, die Abschaffung von Fronen und Zehnten ging mit der Umstellung von Naturalleistungen zur Geldwirtschaft einher. Die Gemeindereform von 1831 brachte eine innergemeindliche Demokratisierung mit sich.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Grötzingen an das in Deutschland entstehende Eisenbahnnetz angeschlossen. Die neue Mobilität förderte den Wandel vom Bauerndorf zur Arbeiterwohngemeinde, in der die Landwirtschaft nur noch dem Nebenerwerb diente. Die Industrialisierung veränderte das Leben der Dorfbewohner grundlegend, es wurde bürgerlich und städtisch. Kultur- und Sportvereine und Ortsvereine politischer Parteien wurden gegründet. In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg ändere das Dorfbild sein Äußeres, mit der wachsenden Einwohnerzahl und der Ansiedlung von Industrie wurde die Erschließung neuer Baugebiete notwendig.